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BVB - FCB und die Glücksspielfrage

Sechser im Lotto, Sechser im Mittelfeld – beides steht in einem Verhältnis zum Glücksspiel: Allerdings liegt in einer Fußball-Mannschaft die Hauptverantwortung insbesondere auf der zentralen Mittelfeldposition , der sog. 6, ob ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen Defensive und Offensive hergestellt werden kann. Damit sich eben kein Glücksspiel ähnlicher Spielverlauf ereignet. Kontrolle und Steuerung, darauf kommt es an. Womit wir beim FC Bayern München unter der Führung von Trainer Jupp Heynckes und Javi Martinez (Foto: adidas.com) angelangt sind: Jupp machte Javi zur 6. Und das war eine glatte 1!

 

High, Higher, Heynckes – ein Superlativ, das der Ü70-Senior vollends verdient hat (und daher bereits dieser Blog am 9. Oktober mit diesem Superlativ schlagzeilte). Sämtliche Partien des FC Bayern München gestaltete der neue Trainer erfolgreich. Ein Hauptgrund: Heynckes hohe Bedeutung für die defensive Interpretation des Mittelfeld-Sechsers! Und da schenkt der Triple-Trainer dem baskischen Best-of-Buffer Javi Martinez das größte Vertrauen. Das war 2013 beim Triple-Triumph so, und das ist auch jetzt in diesen Wochen wieder so. Bei Heynckes-Saisondebüt vor vier Wochen gegen den SC Freiburg und auch in Glasgow, wo der Baske gegen Celtic in der Champions League sogar den 2:1-Siegtreffer per Kopf erzielte.

 

 

Deutschester Spanier

Hintergrundinfos: Javi Martínez wurde am 2. September 1988 im spanischen Estella-Lizarra geboren. Im Alter von fünf Jahren schnürte er sich erstmals die Fußballschuhe für einen Verein in Berceo. Im Jahr 2010 wurde der 1,90m große Spanier zum besten Nachwuchsspieler seines Landes gewählt. Mittlerweile ist er nicht nur Welt- und Europameister mit der spanischen Nationalmannschaft, sondern auch Triple-Sieger und FIFA-Club-Weltmeister 2013 mit dem FC Bayern München. Seine kraftvolle und intelligente Spielweise im defensiven Mittelfeld und seine Kopfballstärke machen ihn zu einem vielseitig einsetzbaren, verlässlichen Spieler. Martínez bezeichnet sich selbst als „deutschester Spanier".

 

Kongenialer Schweini-Partner

2012 verpflichtete der FC Bayern Martinez – sehr zur Freude von Heynckes, der seinerzeit auch die besondere baskische Mentalität betonte. Martinez war in der Triple-Saison 2012/2013 für das Münchner Pressing und als Security für Schweinsteiger leitend am und gegen den Ball aktiv. Besonders in den großen Spielen macht Martinez seither bei aller Ungelenkigkeit oft den Unterschied. Im Champions-League-Halbfinale gegen den FC Barcelona schränkte er Spielmacher Iniesta bestens ein. Im Finale gegen Dortmund gewann er in der kritischen Phase jedes Kopfballduell gegen den damaligen BVB-Stürmer Lewandowski und bremste die Schlussoffensive der Klopp-Elf höchstpersönlich aus.

 

 

Königsdisziplin: Kopfballspiel

Seine Klasse im Kopfballspiel ist einzigartig - gegen die weiten Schläge, die viele Bayern-Gegner aus der Not heraus immer wieder als Stilmittel anwenden, eine wichtige Waffe. Ancelotti bot den 29-Jährigen fast ausschließlich in der Innenverteidigung auf. Heynckes positionierte den Basken wieder auf der 6, und fand damit die Lotto-Lösung für die zuvor schwächelnde labile FCB-Elf. Vor der Abwehrkette ist Martinez am mächtigsten und wichtigsten für die Bayern.

 

Das Duell: BVB - FCB

Somit ist davon auszugehen, dass auch im Bundesliga-Spitzenspiel an diesem Spieltag in der Sechserzone die Weichenstellung für den Spielausgang erfolgen. BVB-Trainer Bosz entschied sich zuletzt wieder für Weigl als Sechser und setzte Sahin auf die Bank beim dürftigen 1:1-Heimremis gegen Zypern-Klub Nikosia in der Champions League. Bleibt abzuwarten, ob Bosz den nächsten Schritt bei der Systemstabilisierung macht, indem er einen zweiten Sechser aufstellt und dafür einen offensiven Mittelfeldakteur opfert - für eine bessere Balance.

Castro könnte mit einer defensiv orientierten Positionsprofil-Aufgabe den Ansprüchen gerecht werden.

 

3-4-3

Eine andere Alternative, die Bosz meinen Recherchen zufolge leider in keinem ernsthaften Saisonvorbereitungsspiel getestet hat, würde eine verstärkte Abwehrzentrierung beinhalten in der hintersten Linie mit drei Innenverteidigern, flankiert von je einem Dampfmacher auf der Außenbahn. Vielleicht sogar die vielversprechendste Systemvariante.  

 

6er und 3er

Obwohl der BVB unter Trainer Bosz bisher keine Lösung gefunden hat, um höheren Ansprüchen gerecht werdend eine Balance im Spiel herzustellen, weil Bosz bisher um die Schlüsselposition der Mittelfeld-Sechs herum handlungsunfähig bleibt -  und obwohl die Bayern unter der Regie von Heynckes so sensationell neu auf- und eingestellt auf dem Rasen von Sieg zu Sieg eilen (mit einem starken defensiven Mittelfeldzentrum mit Martinez als Key Kicker!) - so schlummern dennoch Potenziale im Giganten-Treffen zwischen BVB und FCB. Ein Dreier für die Bayern ist nicht zwingend - auch wenn die Sechser-Frage besser beantwortet wird. Denn es gibt höhere Mächte in diesen brisanten Begegnungen. Big Point oder wunder Punkt?

Zidane, Kahn, Effenberg ...

Welcher Art? Irrationaler Natur! Erinnern wir uns einfach an den Kopfstoß von Zidane im WM-Finale, ausgelöst durch Materazzis übelst provozierende Beleidigung. Oder an Oliver Kahns hyperagressives an Besessenheit nicht zu toppendes Verhalten vor dem Freistoß am letzten Bundesliga-Spieltag, der den Siegtreffer durch Bayerns Abwehrspieler Anderson beim HSV zur Folge hatte und somit den FC Schalke 04 aus den höchsten Titelträumen aufs Heftigste riss. Oder auch Bayerns Mittelfeld-Monarch Effenberg,der unter der Regie von Trainer Hitzfeld als Feldherr für die großen Weichenstellungen verantwortlich war.

Allen Vorzeichen zum Trotz kann also auch in so einer Fußball-Fokus-Partie plötzlich eine Partystimmung losgetreten werden zugunsten der bis dato unterlegenen Borussen. Und zwar durch Extremsituationen (böses Foul, Platzverweis, frühes Tor, Aus-/Einwechselungen, ein heftiger Disput an der Linie etc.). In dieser Partie kann die BVB-Elf zurückfinden zur Stärke, die in ihr steckt.bzw verstockt und verklemmt auf Befreiung wartet ...

 

Heldengeburt und/oder Trainertod

Oft wird in diesen Gipfeltreffen ein sportlicher Held geboren. Martinez geht mit Lorbeeren aus den letzten Partien in dieses Match. Das schließt nicht aus, dass auch im Borussen-Team einer zum ganz großen Rausreißer avanciert! Ob das nun Yarmolenko als Borussen-Ukrainer ist, Castro als Namensvetter des verstorbenen kolumbianischen Führers oder Pulisic als USamerikanischer Draufgänger - vielleicht rutscht auch nur Ex-Borusse Hummels aus und ermöglicht dadurch eine BVB-Bude ... Bleiben Heldengeburten aus, ist der Trainertod nahe. Hej: Sollten jetzt pseudosensible Kritiker dem Moralfinger erheben ob der gewählten Sprache beim Terminus Trainertod, so sei extra für diese Herrschaften bewusst betont: Wir schreiben hier vom sportlichen Trainertod. Um zum Punkt zu kommen finale: Ein möglicher Trainertod bezieht sich ausschließlich auf Borussias Bosz. Wünschenswert ist natürlich, dass Bosz wie eine Batterie neu aufgeladen aus diesem Spiel herausgeht. 

 

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