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Power, Poesie und Panik!

Bevor es gleich mit dem Samstagspieltag los geht, noch ein Blick aufs Gestrige: In der Bundesliga steigt heute um 20.30 Uhr der Ruhepuls auf den Rängen in Mainz in die Höhe, wenn die 05er auf den großen Nachbarn Eintracht Frankfurt treffen. Auch da bahnt sich die P-Frage an: Power, Poesie und auch Panik? Power in Person bringt allen voran Eintracht-Stürmer Haller auf den Rasen. Hallerluja, das wird wahrlich ganz schwer für die tapferen Mainzer zu punkten.

(Heute am 28. Okt. eingefügt): Doch die 05er haben es geschafft und ein 1:1 erkämpft. Was der selbsternannte Karnevalsklub außerhalb des Rasens leistet und anstrebt, wie Mainz 05 tickt, das ist im Interview von sports.web-netz zu lesen unter www.web-netz.de 

 

Panik ist im Spiel bereits vor dem Anpfiff in Berlin, wenn die ins Schlingern geratene  Hertha den HSV empfängt. In Hamburg grassiert mal wieder die Trainerfrage. Dabei liegt das Kernproblem in der Kaderzusammenstellung. Das Management offenbart Führungs- und Strategieschwäche. Gisdol, Doll, Dollars - das sind die bestimmenden Themen. 

Die Poesie des Remis - diese Schlagzeile könnte die Partie Schalke 04 - VfL Wolfsburg kennzeichnen. Wölfe-Rudelführer Schmidt würde bestimmt das sechste Remis im sechsten Punktspiel begrüßen.  Das Duell der Erstarkten verspricht viel.

 

Das Derby Bayer 04 Leverkusen gegen den 1. FC Köln könnte neue Panik verursachen im Kölner Geißbockheim. Die herrliche Entwicklung der Werkself könnte das gesteigerte Selbstbewusstsein der Kölner durch den Pokalsieg in Berlin einen schmerzlichen Rückfall bescheren. Rheinfall?

DFB-Pokal-Echo-Feeling versprüht auch der Bundesliga-Buzzer FC Bayern vs. RB Leipzig.  

Überhaupt: Der DFB-Pokalabend brachte unter Flutlicht extreme Licht-& Schattenspiele zum Vorschein. In Anlehnung an den vorigen Blog zum Thema "Key Kicker & Schlüsselszenen" folgen wir dieser Spur, nun quasi praktisch belegt.

So war die Kardinalfrage gestellt worden, ob der hochveranlagte Keita die Prüfung im Pokal gegen den FC Bayern München bestehen kann. Kurzum: Keita konnte das nicht. Der emotional schwer zu zähmende Turbo-Typ wurde nach mehrfachen Fouls an ihm vom Opfer zum Täter. Er tat sich und seinem Team erneut keinen Gefallen, als er Bayerns Bomber Lewandowski auf Höhe Mittellinie am Trikot zupfte - und damit den vertretbaren Gelb-Rot-Verweis in Kauf nahm. Keita hat die Prüfung zum Schlüsselspieler damit (noch) nicht bestanden.  da er in der nächsten Saison beim FC Liverpool anheuert, bleibt er die Antwort darauf zumindest auf deutschem Rasen wohl schuldig.

Anders Keitas kongenialer RB-Mitspieler Yussuf Poulsen. Der 23-jährige dänische Nationalspieler brachte seine Power optimal auf den Rasen: Tempoläufe mit dem Zweck, Balleroberungen selbst oder für Mitspieler zu ermöglichen. Und ein mutiges Dribbling gegen Boateng mit der Folge eines Strafstoßes, den der formidable Forsberg sicher verwandelte.

Der Schwede krönte mit dem Elfmetertreffer seine Top-Leistung. Und der blonde Freigeist war einer der wichtigsten Protagonisten im Matchplan von RB-Trainer Hasenhüttl: Der lauffreudige Techniker setzte nicht nur mit Ball starke Akzente im Höchsttempo, sondern attackierte permanent auf der Außenbahn den bayrischen Flügelmotor Kimmich. Eine Schlüsselsequenz, die den Leipzigern trotz Unterzahl lange Übergewicht verlieh! Fazit: Forsberg trat als Key Kicker in einem Spitzenspiel auf.

 

Randnotiz: Poulsen-Power - nur 78 kg bei 1,92 Meter Körperlänge als ideale körperliche Disposition für einen Dauersprinter - gibt seit 2013 in Leipzig Gas. Bereits  in der 3. Liga war er mit 10 Treffern in 36 Partien einer der Aufstiegshelden.

 

Ritterlich präsentierte sich das stürmende Laufwunder Poulsen auch nach dem Abpfiff, als er seinem Mitspieler Keita medial zur Seite stand - und auch dem Elfmeter-Verschießer Timo Werner, seinem Rivalen im Kampf um den Startplatz im Sturm. Dass Poulsen aufrichtige Worte spricht, wenn er derartiges von sich gibt, hatte auch sein ehemaliger Mitspieler und Sturmkonkurrent Davie Selke (Hertha BSC Berlin) in gemeinsamen RB-Zeiten mehrfach betont. Poesie im pekuniär geprägten Pokal- & Pflichtspiel-Business.

Poulsen: Power & Poesie!

 

Und Leipzig verlieh auch einem bis dato nur Insidern bekannten Fußballer quasi (Lautsprache: Kwasi) Flügel der besonderen Art: Kwasi Okyere Wriedt. Der 23-Jährige aus dem FCB-Regionalliga-Team wurde in der 101. Minute eingewechselt - um nur 3 Minuten später Millimeter am Märchentraum vorbeizuschliddern. Denn mit seiner ersten Aktion köpfte der 1,90 Meter große Linksfuß in für ihn ungewöhnlich starker Luftraumkampf-Manier den Ball unter die Latte des Leipziger Gehäuses. Doch der Ball sprang wieder von der Linie raus ... Dem aus dem Hamburger Straßenfußballquartier Hamm stammenden Sohn ghanaischer Eltern wurde beim FC St. Pauli im Nachwuchsbereich zu wenig Vertrauen geschenkt. Doch er ging nicht mit Gram im Herzen, als er sich 2015 dem Lüneburger SK anschloss in der 4. Liga. 

Auch durch die vergebene Torchance ließ er sich den Glanz des herrlichen Moments nicht nehmen, als er im Nachklang auf Instagram postete: "God has perfect timing for everything". 2016 schoss der sympathische Stürmer noch in der Regionalliga Nord für den Lüneburger SK Tor um Tor. Gestern in Leipzig schoss er sich auch per Kopf in eine ganz neue Sphäre. In Dankbarkeit und Demut. Poesie pur. Das durfte der Autor dieses Blogs bereits in einem ausführlichen Interview im Juni 2016 erleben, als es an der Alster in Hamburg aus dem herzlichen Topstürmer heraussprudelte mit Blick auf seinen christlichen Glauben - den er auch auf dem Rasen leben will getreu der Gebote. Bibelfest steht der Linksfuß bodenständig für den ein, dem er die größte Ehrerbietung zollt: Jesus Christus!

Da ist der 23-Jährige bestens aufgehoben im Bibelkreis um Bayern-Star David Alaba. "Und vorne hilft der liebe Gott!" - dieses Fußball-Roadmovie von Kabarettist, Filmregisseur und Buchautor David Kadel www.kadelfernsehen.de mit Alaba und anderen Stars erhält für einen Torjäger wie Wriedt dadurch einen ganz neuen Anstrich. Kadel in Talententdecker-Laune: "Den Burschen hatte ich schon vor dem Anpfiff des Pokalhits in Leipzig auf dem Zettel."

 

Verzettelt hatte sich hingegen in der Halbzeitpause RB-Manager Ralf Rangnick: Dass Rangnick als RB-Sportchef und Mann mit dem besten Blick für Talente, in der Halbzeit empört auf den Schiedsrichter zustürmt zwecks visueller Nachhilfe (Strafstoßentscheidung) via Smartphone - ist zwar regelwidrig, macht den rationalen Rangnick aber irgendwie auch zum irrationalen "Ralle" von nebenan. Und rückt ihn damit mehr denn je in die Nähe der deutschen Fan- & Vereinskneipentresen.  Rangnick in Panik. Hoppla ...

Ungeachtet seines regelwidrigen Gerechtigkeitssturmlaufs hat die Pokalpartie wieder einmal eindrucksvoll gezeigt, dass er der beste Kader-Architekt weit und breit ist. Er findet und verpflichtet junge Hochveranlagte wie kein Zweiter. Best of-Beispiel: Der junge Franzose Upamecano glänzte als Innenverteidiger zwei Tage vor seinem 19.(!) Geburtstag gegen Robben, Lewandowski & Co. mit einer beeindruckenden Verteidigerleistung. Und auch der athletische Augustin im Angriff, ebenfalls aus Frankreich, sorgt für Alarmstimmung in jeder Abwehr.  

 

 

Das Niedersachsen-Derby: Die Wölfe bissen wie im gestrigen Blog  prognostiziert den Remis-Knoten durch und siegten mit 1:0. Neu-Trainer Schmidt siegte dabei allerdings auch auf anderem Terrain:Mit Brooks und Gomez beorderte der Coach zwei Stars auf die Bank. Brooks-Vertreter Uduokhai erzielte sogar den Siegtreffer. Schmidts neue Handschrift hat den Wölfen neuen Biss verschafft: Sechs Spiele in Serie unbesiegt. Neue Stabilität!

Die dem hannoveranischen 96-Boss Martin Kind weniger gefiel. Ebenso wenig wie die 0:1-Niederlage in Wolfsburg. So soll der Klubchef das Wort „müssen“ mit Blick auf einen geforderten Heimsieg am Samstag gegen Borussia Dortmund verwendet haben. Gegen ein Spitzenteam wie die BVB-Elf einen derartigen Satz rauszuhauen, legt nahe, dass auf der Chef-Etage eine überhöhte Erwartungshaltung grassiert! Panik wie im Kindergarten? Oder will der Macher nur das Gehör schärfen für eine ambitioniertere Perspektive? Trainer Breitenreiter und Manager Held hält es allerdings nicht davon ab, vom erfolgreichen Weg zum Ziel 'Klassenerhalt' abzuweichen.

 

Im Norden um die Ecke gab es auch etwas Bewegendes zu erleben auf den Rängen des Weserstadions in Bremen, wo die Werderaner einen 1:0-Heimspielsieg im Pokal gegen die TSG 1899 Hoffenheim bejubeln konnten - und die Rückkehr des Key Kickers Max Kruse! Der Zauberfuß betrat in der 60. Minute den grünen Rasen - am Ende war der Jubel riesengroß: Werder-Coach Nouri holt tief Luft und hofft mit diesem Rückenwind in der Bundesliga am Sonntag auch den FC Augsburg wegzupusten.

Ein Hauch von mehr als Sieg-oder-Niederlage, das ist es, was diese Pokalrunde lieferte: Power, Poesie und eine Prise Panik. 

 

 

 

 

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