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Key Kicker & Schlüsselszenen

Modeste, Pizarro, Kruse, Rudy, Gomez, Toprak ... Namen, die auch heute große Bedeutung besitzen, selbst wenn sie wie Modeste und Pizarro heute im DFB-Pokal gar nicht für den 1.FC Köln auflaufen.  Doch diese Kicker gehören zur raren Spezie der Schlüsselspieler, hier Key Kicker genannt. Gestern deutete sogar der erst 18 Jahre junge Startelf-Debütant Alexander Isac als zentrale Sturmspitze auf sich aufmerksam im Team von Borussia Dortmund beim 5:0-Sieg in Magdeburg vor toller Kulisse. War der schlaksige Angreifer unter Ex-Trainer Tuchel komplett außen vor, so nutzte der Youngster aus Schweden mit Eritrea-Wurzeln jetzt auf Anhieb seine Chance. Damit bestätigte das Riesentalent die Eindrücke, die bei einem Trainingsbesuch in der vorigen Saison bereits ins Auge fielen, als der Youngster mit auffällig fokussierter Energie im 2gegen2 und 3gegen3 auftrumpfte. Da wächst der nächste Key Kicker heran im BVB-Team. Spannend.

 

Die Bedeutung der Key Kicker für Trainer:  Für den Coach der gegnerischen Mannschaft geht es vor allem auch darum, die Belieferung für Key Kicker zu verhindern, mindestens zu erschweren. Und das exekutive Handeln des Key Kickers, der Torschuss, muss mindestens extrem gestört werden, wenn es auch nicht ganz auszuschalten sein wird. Für den Trainer des Key Kickers gilt: Alles drumherum so aufzustellen, dass Key Kicker (bei den wenigen ganz großen Weltklubs auch mehrere Key Kicker) optimal in Szene gesetzt werden. Ohne einen Key Kicker kann kein Titel gewonnen werden, diese steile These scheint in Stein gemeißelt.

 

Der heutige DFB-Pokal wird hinsichtlich Key Kicker wieder einiges ans Tageslicht, besser gesagt Flutlicht, bringen:

 

1,FC Köln: Umso herber der Schmerz der Kölner, die nach dem Abgang des Toptorjägers Modeste (China) am vorigen Spieltag auch noch den Slapstick und Drama-zugleich-Ausrutscher von Nachverpflichtung Pizarro beim Aufwärmen verkraften müssen. Muskelfaserriss - ausgerechnet wenige Minuten vor dem Anpfiff gegen Pizarros Ex-Klub Werder Bremen ...

Heute führt nun die DFB-Pokalreise ohne prominente Hoffnungsträger nach Berlin zur Hertha. Und als wäre alles nicht schon sieg- und trostlos genug, haben sich nun auch noch die Wege getrennt von Erfolgsmanager Schmadtke und dem 1.FC Köln.  Das komplette Scheinwerferlicht ist somit auf Trainer Stöger gerichtet. Kaum vorstellbar, dass die Kölner in Berlin die Kurve kriegen können - es sei denn, ein neuer Schlüsselspieler schwingt sich auf. Leonardo Bittencourt besitzt das Potenzial dafür, ob es allerdings in diesem prekären Klima wachstumsfördernd zum Gedeihen reicht?

Bei Werder Bremen wächst die zarte Pflanze des Hoffnungsstrohhalms in persona Max Kruse. Der abgezockte Torjäger mit dem starken linken Fuß erweitert sein Comeback nach dem 8minütigen Kurzeinsatz im Punktspiel beim 1.FC Köln am Wochenende. Heute im DFB-Pokalheimspiel gegen die TSG 1899 Hoffenheim ist mit dem selbstbewussten Individualisten durchaus 45 Minuten zu rechnen. Kann Kruse "Key Kicker" auf Anhieb? An der Weser lechzen alle danach. Und er hat das Zeug dazu. Ein Schuss, ein Tor, eine Befreiung für Grün-Weiß?

Die Hoffenheimer sind auch in Bremen noch auf der Suche nach einer idealen Alternative in der Spieleröffnungszone des Mittelfeldsechsers, wo schmerzlich der elegante Techniker Rudy vermisst wird. TSG-Trainer Nagelsmann hat kein Rudy-Double verpflichten können. Das kann bei allem taktischen Geschick von Nagelsmann nicht kaschiert werden. Das TSG-Team muss mehr denn je auf die Effizienz der Offensivkönner hoffen, allen voran 1899-Torjäger Uth - er weiß oft den Schlüssel ins Schloss zu stecken ...

 

Bei Hannover 96 fragen sich viele, wie wichtig wird der sich gar nicht so brasilianisch bewegende Neuzugang Jonathas für die 96-Elf?  Bei seinem Premiereneinsatz vor Wochen traf er sofort - danach mehr ins Abseits (krank). Die Lücke nutzte zuletzt der hochaufgeschossene Füllkrug, als der Ex-Nürnberger als Joker per Doppelpack zum Auswärtssieg-Jubel in Augsburg animierte.  Bleibt der harsche Harnik als Angreifer mit dem höchsten Key Kicker-Potenzial.

Heute im DFB-Pokal-Niedersachsen-Derby beim VfL Wolfsburg droht allerdings das Ausscheiden, das die stabilen 96er aber nicht im Punktspielalltag beeinträchtigen wird. Die Stabilität im Bundesligageschehen bleibt für Held, Breitenreiter & Co.  durch die Parallelwelt DFB-Pokal unbehelligt.

Doch heute im Pokal beißen die Wölfe den Remis-Knoten durch. Neu-Trainer Martin Schmidt  will nach fünf Unentschieden in Serie den Pokalwettbewerb nutzen und den Brustlöserknpf drücken. Dafür hat er auch wieder Mario Gomez zur Verfügung. Gomez hat den Dreh mit dem Schlüssel zwar auch immer wieder nicht so drauf, wenn er Tor-Chancen vergibt. Aber das alles ficht den erfahrenen Torjäger nicht an. Gomez gibt den Schlüssel nicht her. 

 

Key Kicker en masse tummeln sich beim Pokalkracher RB Leipzig - FC Bayern München. Treffen so viele im direkten Duell aufeinander, steht Funkenschlag bevor. Hier die etablierten Bayern-Stars, da die aufstrebenden Leipziger R(e)Bellen mit Keita, Augustin, Forsberg, Werner & Co. - Zündstoff ist garantiert... Heynckes steht die erste hohe Hürde bevor. Im Team der Leipziger hat vor allem Keita eine schwere Reifeprüfung zu bestehen!

Hochinteressant wird zu beobachten sein, ob die für Mannschaften von Rangnick typische Schlüsselszenen-Fokussierung zum Tragen kommt. So wie RB-Stürmer Poulsen es nach dem 3:2-Auswärtssieg gegen Borussia Dortmund verraten hatte mit der Aussage : „Der Plan war, extrem zu pressen, wenn Dortmund-Verteidiger Toprak am Ball war. Der hat als Rechtsfuß sich den Ball immer auf links legen müssen oder musste mit dem schwachen Fuß schlagen. Das wollten wir ausnutzen.“

Schaun mer mal, ob auch die Weltmeister-Defensive um Boateng und Hummels sowie im defensiven Mittelfeldbereich Martinez eine spezielle "Behandlung" erleben. Mein Tipp: Bayerns rechte Abwehrseite könnte als wunde Zone in den Blickpunkt geraten, weil Kimmichs Stärken im Offensivspiel liegen, seine Balleroberungsquote auf der Rechtsverteidigerposition ist ausbaufähig.

 

 

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