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Ahoi, Kapitän! Oder die Sehnsucht nach el capitano.

#capitano #spielführer #captain   

 

Ahoi! Die Frage nach der Bedeutung des Kapitäns im Fußball sorgt für Wirbel. Auslöser: Die in einem großen deutschen Fußballfachmagazin veröffentlichten Statements vom Kapitän des Fußball-Bundesligisten Hamburger SV @hsv, Gotoku Sakai @gotokusakai1123

 

Der 26-jährige Japaner hatte am 16. Oktober in den Medien für polarisierenden Diskussionsstoff gesorgt, als er den einzigen Lichtblick im HSV-Team bei der 2:3-Niederlage gegen den FSV Mainz 05 kritisiert hatte, den 20-jährigen Tatsuya Ito, der erneut kurz nach beginn der 2. Spielhälfte entkräftet ausgewechselt werden musste. @tatsuyaito17

Zu den Reaktionen im Internet, ausgelöst durch meinen kritischen Facebook-Post am 16. Oktober, gehörte auch Sakais Kommentar höchstpersönlich am 17.Oktober auf seiner Facebook-Seite: @gotokusakai1123

Versöhnlich und aufklärend bezog der Kapitän Stellung via Facebook in folgendem Original-Wortlaut: „Ich möchte jetzt hier alles klar machen was ich nach dem Spiel über tatsu wirklich gemeint. Es gab kleine Missverständnis zwischen ich und Medien weil meine Sprache nicht so perfekt und klar war, ich meinte nur sein Fitness ist noch nicht ganz Bundesliga Niveau ist und damit das er ab 50 Minuten nicht mehr Hilfen kann aber doch wir bis 90 Minuten seinen Leistung brauche!“

 

In meinem Facebook-Posting hatte ich bereits eingeräumt, dass ich den fleißigen Fußballer Sakai nicht als Idealbesetzung für das Kapitänsamt betrachte. Darauf soll untenstehend noch einmal eine Stellungnahme im HSV-Kader-Kontext erfolgen.

 

Lahm-Nachfolger

 

Auch die durch den neuen altbewährten Trainer Jupp Heynckes aufgeweckte Mannschaft des FC Bayern München hat das Kapitän-Thema indirekt befeuert. Ist doch durch den verletzungsbedingten Langzeit-Ausfall von Spielführer Mario Neuer das Thema in die Spielerkabine der FCB-Stars hineingegrätscht – schenkt man dem eloquenten Mats Hummels @Mats.Hummels Beachtung, der am 18. Oktober anmerkte, dass es viele „in der Mannschaft mit Führungsspieler-Qualitäten“ gibt und ebensolche, „die in der Kabine reden und versuchen, Einfluss zu nehmen“.

 

 

Kölner Kernsatz 

 

Wie wichtig der Kapitän aktuell beim sieglosen 1. FC Köln ist, hat deren Spielführer Matthias Lehmann längst begriffen, wie seine Worte vor dem Euro League-Match in Weißrussland bestätigen: „Wir glauben an uns“ und „der Weg, den wir gehen, ist richtig“.  Wie ein Kapitän-Kernsatz lässt der 34-Jährige alle Köln-Anhänger @EFFZEH.com @geissblog.koeln wissen: „Es heißt immer wieder aufstehen und weitermachen.“

 

 

 

18 Klubs! 18 Kapitäne?

 

Klub für Klub:

 

FC Bayern München - Für den unantastbaren Langzeitverletzten Weltklasse-Torhüter Manuel Neuer hat Thomas Müller die Binde übergestreift. @es.muellert besitzt wie kein Zweiter im Team den ganz großen Fan-Bonus als FCB-Eigengewächs. Zudem besitzt er als unerschrockene Persönlichkeit große Strahlkraft. Kapitänskategorie: Top – allerdings muss er in so einem Spitzenspieler-Ensemble auch Top-Form haben. Die vielleicht sinnvollere Alternative Nr.1: Der unverändert topfitte hochmotivierte Arjen Robben, der längst seine Egomanen-Attitüde abgelegt hat und mit 33 Jahren Erfolgshunger und Erfahrung vereint wie kein Zweiter. Alternative Nr. 2: Mats Hummels mit seiner Kopf(ball)stärke. Kaum aufzuhalten, dass er das textile Tool von außen für sein Inneres überstreift.

 

 

Borussia Dortmund – Sorry, aber Marcel Schmelzer ist bei aller Laufstärke und langjähriger Vereinszugehörigkeit nicht prädestiniert für das Kapitänsamt. Fehlende Leistungsstärke und Ausstrahlung passen nicht zum Anspruch vom BVB als Champions League-Klub. Stellvertreter Sokratis ist als kämpferisches Vorbild zwar ein Haudegen, aber auch dem Griechen fehlen Glanz oder Aura. Für mich gäbe es nur einen im BVB-Kader, der als Anführer mit konstant internationaler Klasse infrage kommt: Aubameyang! Er schießt Tor um Tor. Er überstrahlt alle im BVB-Lager und mobilisiert die Massen.

 

 

Borussia Mönchengladbach – Mit Lars Stindl #l_stindl13 hat die Fohlenelf eine Topbesetzung als Spielführer. Der 29-jährige in Speyer geborene Nationalspieler marschiert als „hängender“ Stürmer mit Toren und Kampfkraft vorweg. Stindl genießt als leiser aber bestimmter Anführer allseits Respekt. Für das Leistungsniveau der Borussia die ideale Lösung.

 

 

1.FC Köln Matthias Lehmann trägt die Binde mit dem Senior-Bonus als ältester mit 34 Jahren. Als zentraler Mittelfeldspieler mit hoher Spielintelligenz verfügt er über bestimmte Voraussetzungen. Vielleicht spiegelt sich allerdings auch in dieser Kapitänsfrage ein gewisses Manko der Kölner wieder. Denn der Geißbock-Gruppe täte ein dominanter auftretender Spielführer mit höherem Leistungslevel sehr gut. Zumal in so bedrohlichen Krisenzeiten wie es die Overath-Enkel aktuell erleiden, ein Bindenträger mit Hoffnungsträger-Aura dem Klub einen Schub geben könnte.

 

 

 

FC Schalke 04 – Torwart Ralf Fährmann @RalfFährmannS04 ist die solide leistungsstabile Variante. Doch längst stünde dem jungen Anführer Leon Goretzka @LeonGoretzka die Kapitänsbinde zu. Leader-Qualitäten und Torgefährlichkeit als zentraler Mittelfeldspieler verbunden mit Unerschrockenheit und Power. Und dabei kommt der 22-Jährige noch ohne Reizfigur-Attitüde aus. Der wahre Spielführer. Und auch der älteste Schalker Naldo @naldodefender genießt mit seinen 35 Jahren viel Wertschätzung, zumal er konstant überzeugende Leistungen abliefert. Der Grund: Das Abwehrsystem der 3er-/5er-Kette erlaubt dem Strategen eine Libero ähnliche zentrale Defensivrolle einzunehmen mit je einem Abräumer links und rechts von ihm. Dadurch lastet auf dem Brasilianer mit dem harten Schuss nicht so viel Torverhinderungsarbeit. Somit erstrahlt der Ex-Bremer in einem neuen guten Licht.

 

 

Eintracht Frankfurt – mit David Abraham ist der passende Kapitän gefunden. Ein leistungsstarker Abwehrchef mit Stimme und Präsenz. In der Multikulti-Truppe der Frankfurter ist der Argentinier mit italienischem Pass die Konstante in Person. Das bestätigen alle wichtigen Daten. So steht neben seiner Zweikampfstärke und Schnelligkeit auch eine gute Spieleröffnung mit Passquote von guten 83 Prozent zu Buche. Der 31-Jährige gewann einst mit Argentinien die U20-WM an der Seite von „Kicker-König“ Messi. Jetzt hat er wieder einen „adeligen“ Star im Team: Prince Boateng. Auch ein Leader, wenn auch mit noch mehr Ecken und Kanten als Abraham.

 

 

HSV – Den Japaner Sakai zum Kapitän zu ernennen steht stellvertretend für das Führungsdefizit im HSV-Kader. Trainer Gisdol entzog in der vorigen Saison Johan Djourou die Spielführerbinde. Der Schweizer hatte zu oft direkten Anteil an Gegentoren. Sakai war zu dem Zeitpunkt eine passable Zwischenlösung aufgrund seiner stabilen mentalen Verfassung. Mehr aber nicht. Dem HSV-Kader fehlt einer mit Spielführer-Profil. Da kommt Papadopoulos als Verkörperung der Wehrhaftigkeit schon eher in Betracht. Wobei angemerkt sei, dass auch der Manndecker nicht über die Konstanz und Klasse verfügt, die ein Kapitän ausstrahlen sollte.   Fortsetzung folgt! 

 

Flache Pässe – flache Hierarchien?

 

Mehr und mehr setzen sich sowohl in der Wirtschaft als auch im Leistungssport flache Hierarchien durch. Junge Spieler, die für arrivierte Spieler die Taschen tragen sind ein Szenario aus vergangenen Zeiten. Flache Hierarchien im Fußball bedeuten vielmehr, dass sich jeder einbringt. Das ist nicht einfach zu managen, denn eine Fußballkabine ist kein Hörsaal - und letztendlich trägt der Trainer die Verantwortung für die Mannschaft.

 

Wenn sich auf dem Platz zu viele Spieler berufen fühlen, Anweisungen zu erteilen, ist das Chaos nicht weit. Besteht zwischen dem Mannschaftsführer und dem Trainer ein korrektes Vertrauensverhältnis, lassen sich Aufgaben und Kompetenzen des Captains einfach und transparent kommunizieren – und zwar auf Basis seiner fußballerischen Fähigkeiten, seiner Führungsqualitäten und seines Persönlichkeitsprofils. Da muss Authentizität herrschen! Schwingt sich ein Kapitän in einem Thema zum Wortführer auf, das nicht zu seiner Rolle passt, entsteht eine Schieflage. Diese zu korrigieren sollte Aufgabe des Managers bzw Sportchefs sein, damit der Coach sich nicht an Fronten aufreibt, die seine Energie im Kern beeinträchtigen. Sportchef, Trainer, Co-Trainer, Kapitän und die Mannschaft – ein Team, das klare Weisungsbefugnisse mit formulierten Grenzen und Möglichkeiten braucht. Dann trägt eine flache Hierarchie Früchte. Wenn nicht, regieren Hü & Hott, Auf & Ab.

 

Die Kabine - das Reich des Kapitäns 

Als Kapitän erkennt man oft Stimmungen oder Konflikte im Kader frühzeitiger als der Coach, weil der Captain in der Kabine näher am Puls ist. Daher sollte er in regem Austausch mit dem Trainer sein. Beispiel: Sind sich zwei Spieler nicht "grün" außerhalb des Rasens, liegt darin nicht selten die Ursache dafür, dass sie zB als Paar auf dem Flügel spielerisch nicht harmonieren. Da muss dann Tacheles gesprochen werden mit den Betroffenen. Die endgültigen Entscheidungen trifft immer der Trainer, allerdings kann der Kapitän auf dem Weg zur Entscheidungsfindung als wertvoller Partner auf Augenhöhe agieren.

 

Volleyball-Star als Trendsetter 

Stefan Hübner (42), in Bielefeld geboren, in Hamburg auch sportlich aufgewachsen (SC Norderstedt, ETV, Moerser SC, SSC Berlin), in Italien ein Star als Mittelblocker mit Weltklasseformat, langjähriger Kapitän der Dt. Volleyball-Nationalmannschaft (245 Länderspieleinsätze), hat seit 2014 die SVG Lüneburg mit begrenzten Mitteln zu einem etablierten und ambitionierten Bundesligisten mit Playoff-Potenzial geformt. In Italien verehrten die Volleyball-Fans Hübner, der 10 Jahre in der italienischen Liga spielte, als „Mann mit magischen Händen“ und als „Il muratore“ (der Maurer). 2014 feierte er als Co-Trainer der dt. Nationalmannschaft sensationell den Gewinn der WM-Bronzemedaille. 

 

Zuletzt hatte Hübner den am Saisonende 2017 abgewanderten Amerikaner Scott Kevorken als emotionalen Leader mit der Kapitänsrolle beauftragt. In dieser Saison 2017/18 favorisiert der Coach eine spannende Alternative: Weg vom Leitwolf, wie es zB Stefan Effenberg war, hin zu einem neuen Multi-Modell. Hübner holt aus und bringt "unterschiedliche Typen mit unterschiedlichen Qualitäten" ins Spiel. "Der eine gibt die Richtung vor, marschiert vorweg und sagt „hier geht’s lang!“, ein anderer hat ein gutes Gespür und weiß die Gruppe zusammenzuholen. Wäre schade, wenn diese verschiedenen Potenziale verloren gingen, wenn man sich auf ein starres Kapitänskonzept begrenzt." Insofern erhält das Thema „Kapitän“ in dieser Saison beim Bundesligisten SVG Lüneburg einen anderen spannenden Anstrich. Praktische Konsequenz: Mit dem 33-jährigen Matthias Pompe hat Hübner „eine praktische und logische Lösung“ ausgewählt, indem er „den erfahrensten im Spielerkader, der ja auch als Teammanager arbeitet“ zum Kapitän ernannte.

 

Fazit: Mit einer Trainerpersönlichkeit wie Hübner erscheint jede Kapitänsvariante machbar und erfolgversprechend.

 

DFB

Die offizielle Bezeichnung gemäß DFB lautet „Spielführer“. Das Kürzel C als Kennzeichnung in den offiziellen Spielformularien im Internet unter www.fussball.de darf auch als Doppelpass mit der Internationalisierung verstanden werden. Beim DFB gibt es auch die Garde der Ehrenspielführer. Die Bezeichnung Spielführer rückt die zentrale und strategische Rolle des Kapitäns auf dem Rasen in den Mittelpunkt. Totti, Ballack, Effenberg, Maradona, Overath …        Fußballromantik-Sehnsucht.

 

Zuletzt noch ein Irrtum  

Im Verhältnis zum Schiedsrichter räumen die Regeln dem Spielführer nicht mehr Rechte z. B. zum Reklamieren ein als anderen. Vielmehr hat er sogar mehr Pflichten, ist Ansprechpartner für den Schiedsrichter, wenn z. B. Fehlverhalten seiner Mannschaft oder auch der Anhänger passieren. In den DFB-Fußballregeln steht: „Obwohl er für das Benehmen seiner Mannschaft verantwortlich ist, genießt er keine Sonderrechte.“

 

Eine Sonderstellung sollte der Kapitän dennoch innehaben - und zwar aufgrund seines besonderen Profils.

 

 

 

 

 

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